10.02.2026

Blickwinkel: Walter

Walter ist ein Mensch, der gerne den Kontakt zu anderen sucht. Seine warmherzige Art lässt einen willkommen fühlen. Gemeinschaft, Abwechslung und Spielen machen ihm Freude. Schon als Jugendlicher hat er Tischtennis geliebt, und bis heute spielt er aktiv Meisterschaften und engagiert sich als Spielleiter. Seit über vier Jahren verbringt der Rentner seine Freizeit zudem mit Wandern, Schwimmen und Gärtnern. Auch die Zeit mit seinen Enkelkindern geniesst er. Zuvor war er mit Freude jahrzehntelang bei der SBB tätig, wo er Stammdaten von Ersatzteilen verwaltet und Teams geleitet hat.

Walter nennt es ein Privileg, christlich erzogen worden zu sein. Mit 16 Jahren hatte er Gottes Stimme konkret gehört, die ihn zu einer Entscheidung aufforderte. Daraufhin hatte er sich taufen lassen und fand in der Gemeinde ein Zuhause. «Gemeinde ist der Ort, wo ich mich mit Glaubensgeschwistern und deren Freunden sehr gerne treffe», erzählt Walter. Hier könne man sich gegenseitig austauschen, bereichern und wachsen. Für ihn sei es ein Geben und Nehmen. Sich gegenseitig im Glauben zu tolerieren, liegt ihm besonders am Herzen. Der Blick weg von sich selbst auf den Mitmenschen sei entscheidend.

Schon als junger Erwachsener ist Walter bewusst geworden, dass ein Engagement in der Gemeinde viel Lebenserfahrung und Befriedigung schenkt. Egal ob es sich um Beruf, Familie oder Gemeinde gehandelt hat, in allen Lebensfragen hat sich Walter bislang von Gott geführt gewusst. Manche Gemeindeämter hat er übernommen, auch gerne um etwas Neues auszuprobieren – und hat schliesslich von den gemachten Erfahrungen stark profitiert für andere Lebensbereiche. So hat er über die Jahre unter anderem in der Jugendarbeit, der Kinderbetreuung und der Diakonie mitgewirkt. Auch Bibelgespräche und Hauskreise hat er geleitet. Heute engagiert er sich vor allem in der Seniorenarbeit.

Walter hat schon viel erlebt, aber ein Moment, in dem sein Glaube besonders herausgefordert wurde, liegt 40 Jahre zurück. Für ihn als Siebenten-Tags-Adventisten war immer klar, dass er seinem Land dienen möchte, ohne dabei sein Gewissen zu verletzen. Den Gedanken, einem Menschen das Leben zu nehmen, konnte er nicht mit seinem Glauben vereinbaren. Deshalb wollte er von Anfang an waffenlosen Dienst leisten.

Anfang der 1980er‑Jahre war das allerdings alles andere als einfach. Die Schweiz befand sich damals mitten in einer heftigen öffentlichen Diskussion darüber, ob ein ziviler Ersatzdienst überhaupt eingeführt werden sollte. Zwischen religiös motivierten und anderen Verweigerungsgründen wurde kaum unterschieden, und der politische Tenor lautete, hart durchzugreifen, um die Wehrpflicht zu stärken. Im Jahr 1982 gingen fast 900 Gesuche für waffenlosen Dienst ein, doch nur zwei davon wurden bewilligt. Erst Jahre später, 1992, wurde ein ziviler Ersatzdienst gesetzlich möglich.

In dieser angespannten Zeit wurden auch seine eigenen Gesuche abgelehnt. Versprechen wurden nicht eingehalten, und immer wieder hatte er das Gefühl, dass seine Überzeugungen nicht ernst genommen wurden. Besonders verletzend war es für ihn, als sogar die schriftlichen Aussagen seiner Frau, seiner Freunde und seine eigenen als unglaubwürdig bezeichnet wurden.

Schliesslich standen er und seine schwangere Frau vor einer schweren Entscheidung. Sie mussten damit rechnen, dass er ins Gefängnis kommen würde, und hätten sogar ihre Wohnung aus finanziellen Gründen gekündigt, falls es so weit kommen würde. Walter erinnert sich: «Wir waren so machtlos und legten alles in Gottes Hände, was auch kommen mochte.»

Nach der letztmöglichen zivilen Anhörung musste er alleine im Gang auf das Urteil warten. Diese halbe Stunde fühlte sich für ihn endlos an. Er bat inbrünstig im Gebet, Gott möge ihm und seiner Familie helfen. Als er zurückgerufen wurde und einen positiven Bescheid bekam, war er unendlich erleichtert. Sein Gewissenskonflikt war anerkannt worden und er durfte tatsächlich waffenlosen Dienst leisten. «In diesem Moment habe ich erlebt, wie Gott wirkt!»